ELMO in Meetings: Warum wir dieses Tool brauchen und was es über unsere Meetingkultur verrät
ELMO klingt erstmal nach Sesamstraße, steht in Meetings aber für etwas sehr Erwachsenes: „Enough, let’s move on“ – „Genug, lasst uns weitermachen“. Das Prinzip: Wenn eine Diskussion sich im Kreis dreht oder zu tief abtaucht, können Teilnehmende „ELMO“ rufen oder eine ELMO-Karte zeigen, um freundlich den Vorschlag zu machen: Lasst uns zum nächsten Punkt übergehen.
Auf den ersten Blick ist ELMO ein praktischer Hack, um Zeit zu sparen. Auf den zweiten Blick erzählt es eine Menge darüber, wie wir Meetings organisieren und wo es hakt.
Was ELMO konkret ist
ELMO steht für „Enough, let’s move on“.
Jemand ruft „ELMO!“ oder zeigt eine Karte.
Die Gruppe prüft kurz: Ist das Thema ausreichend besprochen oder braucht es noch Zeit?
Dann geht es – im Idealfall einvernehmlich – weiter zum nächsten Punkt.
Es gibt ELMO als Karten, als vereinbarte Geste oder einfach als verbale Absprache im Team. Die Form ist zweitrangig. Wichtiger ist die dahinterliegende Idee: Alle dürfen auf Fokus und Zeit achten, nicht nur die Moderation.
Warum ELMO so verlockend ist
ELMO adressiert ein sehr menschliches Phänomen: das Unbehagen in endlosen Diskussionen. Typische Situationen:
Wir hängen zu lange an einem Detail.
Zwei Personen diskutieren etwas aus, während der Rest innerlich aussteigt.
Das Meetingziel ist eigentlich ein Update – aber plötzlich wird eine Grundsatzdiskussion daraus.
In solchen Momenten denken viele: „Für mich ist das jetzt gut genug aber ich will hier niemandem über den Mund fahren.“
ELMO bietet dafür eine sozial verträgliche Abkürzung: ein gemeinsames Signal statt individueller Konfrontation. Es fühlt sich fairer, demokratischer und leichter an, als allein zu sagen: „Können wir bitte weitermachen?“
ELMO als Reparaturversuch für ein tieferes Problem
So hilfreich ELMO ist – seine bloße Existenz zeigt auch: Da war vorher schon etwas nicht gut gestaltet.
Typische strukturelle Ursachen:
Das Ziel des Meetings ist unklar („informieren, diskutieren, entscheiden“ verschwimmt).
Es gibt keinen klaren Rahmen, wie tief wir in Themen einsteigen wollen.
Rollen sind unscharf: Wer entscheidet eigentlich? Wer informiert nur?
Agenda-Punkte sind zu groß („Projekt X besprechen“) statt entscheidungsnah formuliert.
ELMO setzt genau dort an, wo diese Unschärfen spürbar, aber nicht explizit adressiert sind. Es ist damit eine Art „Notbremse“: Wenn der Rahmen nicht klar genug ist, hilft ELMO, wenigstens den Schaden zu begrenzen.
Oder anders: Wo Meetings von Anfang an gut fokussiert sind, braucht man ELMO deutlich seltener – und wenn, dann sehr bewusst.
Wie ELMO fair ist und trotzdem Risiken hat
ELMO wirkt auf den ersten Blick sehr wertschätzend: Niemand wird persönlich unterbrochen, die Gruppe entscheidet gemeinsam, ob es reicht. Gleichzeitig gibt es ein paar Fallstricke:
Leise Stimmen können sich noch weniger trauen, gegen ein „ELMO“ zu halten.
Komplexe oder unbequeme Themen werden eher abgekürzt als wirklich geklärt.
Es entsteht der Eindruck, Effizienz sei wichtiger als Verständnis.
Deshalb lohnt sich eine klare Absprache im Team, zum Beispiel:
Wofür wollen wir ELMO nutzen – und wofür ausdrücklich nicht?
Wie stellen wir sicher, dass kritische Punkte nicht wegmoderiert, sondern gut dokumentiert und ggf. in ein separates Format verlagert werden?
ELMO ist dann am stärksten, wenn es nicht dazu dient, Tiefe zu vermeiden, sondern sie bewusst zu verschieben: „Für heute ist das genug und wir geben dem Thema einen eigenen Raum.“
Woran du erkennst, dass dein Meeting-Design statt ELMO eine Überarbeitung braucht
Wenn ELMO häufig gebraucht wird, ist das ein guter Diagnosehinweis. Zum Beispiel:
In fast jedem Meeting ruft jemand ELMO – oft schon nach kurzer Zeit.
Einzelne Agenda-Punkte werden regelmäßig abgekürzt, ohne dass klar ist, wo sie weiterbearbeitet werden.
Teilnehmende verlassen Meetings mit dem Gefühl: „Wir sind da nicht wirklich fertig geworden.“
Das sind Signale, dass du nicht nur ein Tool, sondern die Architektur deiner Meetings anschauen solltest:
Klarere Ziele pro Termin („Heute wollen wir…“).
Entscheider:innen und Entscheidungspunkte explizit benennen.
Unterschied machen zwischen Informations-, Entscheidungs- und Arbeitsmeetings.
ELMO bleibt dann ein hilfreiches Werkzeug aber nicht das zentrale Rettungsinstrument.
Fazit: ELMO bewusst nutzen – nicht als Allheilmittel
ELMO ist ein charmantes Tool, um langen Diskussionen einen freundlichen Rahmen zu geben und Meetings fokussierter zu machen. Richtig eingesetzt, stärkt es Eigenverantwortung, Beteiligung und Zeitbewusstsein in der Gruppe.
Genauso wichtig ist aber die zweite Frage: Warum braucht unser Team ELMO so oft?
Die Antwort darauf führt fast immer zu Themen wie Klarheit, Rollen, Entscheidungsreife und Meeting-Design. Und genau dort beginnt die eigentliche Entwicklungsarbeit – weit über einen roten kleinen Buchstabenhelden hinaus.